Pettenkoferstraße 48

Fassadenpreis der Landeshauptstadt München 2002 und 2025

Die Sängerwarte

Erbaut 1880

Der ehemalige Turm der Pettenkoferstraße 48 bis 2025 mit Blick auf die Theresienwiese

Das denkmalgeschützte Wohn- und Geschäftshaus an der Pettenkoferstraße, Ecke St.-Paul-Straße, wurde 1890/91 von Ludwig Kracher im Stil der Neorenaissance errichtet und ist Teil des Ensembles „Wiesnviertel“. Aufgrund seiner markanten Ecklage prägt das Gebäude seit jeher das Münchner Stadtbild und ist bereits von der Theresienwiese aus zu sehen.

Um die Jahrhundertwende war die Gaststätte in dem 1880 erbauten Eckgebäude ein beliebter Treffpunkt für viele Volkssänger. Der Name „Sängerwarte“ für das Haus und das darin befindliche Lokal hat hier seinen Ursprung. Die Gaststätte überdauerte den Niedergang der Volkssänger-Gesellschaften in den Dreißiger Jahren, überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet und wurde noch bis vor Kurzem unter dem alten Namen als bodenständiges bayerisches Wirtshaus geführt. Erst mit dem Tod der langjährigen Wirtsleute endete diese sehr erfolgreiche Ära.

Nach umfangreicher Modernisierung im Jahr 2001 wurde aus der „Sängerwarte“ das „Schank- und Speiselokal Lenz“.

Auch dieser Name korrespondiert mit der Historie des Hauses, da der Namenspatron, der legendäre Millionenbauer Lorenz Hauser, genannt der Hauser Lenz, sich hier um die Jahrhundertwende des öfteren vergnügt haben soll.

Bei der, mit dem Fassadenpreis der Landehauptstadt München 2002 ausgezeichneten Sanierung wurden die Balkone und das Dach instand gesetzt,
der Hof und die Eingangssituation neu gestaltet und die Stuckelemente an der Fassade restauriert. Insbesondere wurde auch das historische Farbkonzept konsequent rekonstruiert. 

Das Treppenhaus der Sängerwarte
Hier ist schon der Hauser Lenz „aufgestiegen“.

Zwischen 2020 und 2024 wurde das Anwesen erneut umfassend und  denkmalgerecht saniert.

Im Zuge des Dachgeschossausbaus musste der historische Dachstuhl aus der  Gründerzeit erneuert werden. Die gesamte Dachkonstruktion war von geringer handwerklicher Qualität und war bauzeitlich bedingt in sehr holzsparender Bauweise mit geringen Querschnitten und schlechten Holzqualitäten errichtet worden. Die Ausführung wirkte in vielen Bereichen unübersichtlich, unsauber, inkonsequent und improvisiert. Der Dachstuhl entsprach in seinem damaligen Zustand, schon ohne Zusatzlasten durch einen Ausbau, nicht den aktuellen statischen Anforderungen im Hinblick auf Windlasten und Schneedruck und  musste bereits provisorisch durch Baustützen verstärkt werden. Zudem war er von Holzschädlingen befallen sowie mit Insektiziden und Holzschutzmitteln  kontaminiert.

Zentrales Element der Sanierung war die Rekonstruktion des historischen Doppelzwiebelturms nach originalen Plänen von 1890. Die statische Sicherung des über zehn Meter hohen Turmhelms stellte dabei eine besondere technische Herausforderung dar.

Ein weiteres prägendes Detail der Sanierung war die Dachdeckung, die auf der Straßenseite in rautenförmig verlegtem Zinkblech ausgeführt wurde, angelehnt an die wahrscheinlich historische Schieferdeckung.

Darüber hinaus wurden Giebel, Stuckelemente, Gesimse sowie die Fenster und Eingangstüren im Erdgeschoss nach historischem Befund erneuert.

Die Fassadenfarbe wurde insgesamt überarbeitet, um eine harmonische Integration in das Umfeld zu gewährleisten. Die Putzflächen sind in einem helleren Graubeige gestrichen, während die plastischen Elemente in einem dunkleren Graubeige gehalten sind.

Die Fenster in den Obergeschossen wurden ebenfalls farblich neu, in Beige mit mattem Glanzgrad, gestaltet und mit Schabracken in einer dem ursprünglichen Bestand entsprechenden Blechform versehen, wodurch die authentische Gestaltung des Gebäudes weiter unterstützt wurde.

Ergänzt wurde das Gebäude um einen freistehenden hydraulischen Aufzug im Treppenhaus sowie zwei großzügigen Wohnungen im Dachgeschoss. 

Die Sanierung verbindet anspruchsvolle Denkmalpflege mit zeitgemäßer Nutzung. Durch die umfassenden Restaurierungsmaßnahmen konnte das Gebäude in seiner
historischen Pracht wiederhergestellt werden. Für den wesentlichen Beitrag zur Aufwertung dieses städtebaulich bedeutenden Ortes wurde das Gebäude mit dem Fassadenpreis der Landeshauptstadt München 2025 ausgezeichnet.

Referenzen

Denkmalschutzmedaille

für besondere Verdienste um den Denkmalschutz 1985
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Gabelsbergerstraße 30

Künstliche Begrünung 2005
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Hackenstraße 10

Fassadenpreis 1983
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Haimhauserstraße 4

Fassadenpreis 1996
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Landwehrstraße 31

Fassadenpreis 1986
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Pettenkoferstraße 48

Fassadenpreise 2002 und 2025
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Romanstraße 5

Fassadenpreis 1982
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