Das Straub-Haus

Ein Artikel der Süddeutschen Zeitung - Montag, 16.7.1984 (Auszug)

Hackenstraße Madonna

Die Hausmadonna

Nach vierzig Jahren zurück an seinem Platz

Beispielhafte Privatinitiative

Das Straub-Haus und seine Madonna

Zum 200. Todestag des Bildhauers leuchtet es in neuem Glanz

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein privater Hausbesitzer sich des Grundsatzes „Eigentum verpflichtet“ so uneigennützig und nachhaltig entsinnt, wie es die Besitzerin des Hauses Hackenstraße 10 tat. Während die Sechziger Jahre in falsch verstandener Fortschrittlichkeit Altstadthaus um Altstadthaus dem Erdboden gleichmachten und langweilige Betonkolosse hochzogen, pflegte und erhielt hier eine eingesessene Münchner Bürgerfrau still und beharrlich ihr Altstadthaus.

Es ist im Lauf der letzten Jahre nicht nur vorbildlich restauriert worden, sondern bekam vor wenigen Tagen seine Hausmadonna zurück, die vierzig Jahre lang (!) gefehlt hatte.

Original im Nationalmuseum

Die Hausmadonna hat in München, wo der Landesherr (Kurfürst Maximilian I.) mit dem Beispiel der Krumpper-Madonna an seinem „Haus“ (der Residenz) voranging, eine lange Tradition. Nun ist die Madonna am Haus Hackenstraße 10 keine x-beliebige, stammt sie doch von der Hand des berühmtesten Besitzers dieses Hauses, von dem Bildhauer Johann Baptist Straub. Allerdings handelt es sich bei der wiederangebrachten Madonna nicht mehr um das Original, das seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Bayerischen Nationalmuseum verwahrt wird, sondern um eine in minuziöser Arbeit von dem jungen Münchner Bildhauer Rainer Maria Strixner geschnitzte Wiederholung.

Hackenstraße Hunde

Typische Altmünchner Fassade

Mit einem Relief von Roman Anton Boos

Vermutlich geht das Haus Hackenstraße 10 auf den Kirchenbaumeister Johann Michael Fischer zurück. 1741 hat es der Hofbildhauer Johann Baptist Straub erworben. Er ließ es umbauen und hinterließ es 1784 seinem Schwiegersohn, dem Bildhauer Roman Anton Boos. „Die Fassade ist lediglich durch den Wechsel von glatten und rauen Putzflächen gegliedert und darf als typisch für das Münchner Bürgerhaus des 18. Jahrhunderts gelten“, schreibt Karl Erdmannsdorffer in seinem Buch „Das Bürgerhaus in München“.

Das in diesem Zitat genannte Jahr 1784 ist der aktuelle Bezugspunkt, dem München den Abschluss der Restaurierungsarbeiten und die Anbringung der Hausmadonna verdankt, nämlich der Todestag Straubs, der sich am vergangenen Samstag zum zweihundertsten Mal jährte. (...)

Wolfgang Johannes Bekh

Referenzen