Wiederaufbau eines Gründerzeithauses

Ein Konzept von Jakob Bader

Gabelsbergerstraße Fassade

Künstlich begrünt

Die Fassade in der Gabelsbergerstraße 30

Ein nach dem Krieg wiederaufgebautes Gründerzeithaus in der Maxvorstadt, in einer verkehrsreichen Durchgangsstraße gelegen und auf der südlichen Straßenseite mit einer ungünstig proportionierten Lochfassade ausgestattet, wurde zudem noch in den 70er Jahren durch eine recht aufdringliche Farbgestaltung in Rautenmustern „verziert“.

Das Gründerzeithaus sollte in ein zeitgemäßes, attraktives und wertiges Gebäude mit funktionellem Beschattungskonzept, das dennoch nicht seine Ursprünge verleugnet, umgewandelt werden.

Dies war, in einem Satz ausgedrückt, die anspruchsvolle Aufgabe, der sich der ambitionierte Architekt Jakob Bader zu stellen hatte.

Ausgehend von der Erkenntnis, dass in der Umgebung ein eklatanter Mangel an schattenspendenden, lärmschluckenden und auffrischenden Bäumen vorherrscht, der durch reale Bepflanzung aufgrund des urbanen Umfelds nicht zu beseitigen ist, entwickelte Jakob Bader ein Konzept der künstlichen Begrünung.

Es wurde ein Sonnenschutz aus mit Kastanienlaub bedruckten Glasscheiben realisiert, der den Bewohnern des Hauses beim Blick aus dem Fenster den Eindruck von „organischem Wohnen und Arbeiten im Grünen“ vermittelt. Das Laub der Kastanie, dem typischen bayerischen Biergartenbaum, drückt hierbei sowohl Natur- als auch Heimatverbundenheit aus. Den Bezug zu der historischen Zeitperiode, in der das Gebäude ursprünglich errichtet wurde, stellen die durchlaufenden Edelstahlschienen her, an denen die Kastanienlaubscheiben entlang gleiten.

Gabelsbergerstraße Fenster

Sonnenschutz

Mit Kastanienlaub bedruckte Fenster

Ähnlich wirkende Gesimse sind häufig in der Architektur der 30er Jahre zu finden.

Dem Konzept entsprechend wurde die Fassade in einem natürlich wirkenden, saftigen Grünton gestrichen.

Die künstliche Begrünung wurde bei der Sanierung des Treppenhauses in Form von großflächigen Kastanienlaubleuchten und entsprechender Farbgestaltung ins Gebäudeinnere fortgeführt. Es entstanden hier sehr reizvolle Kontraste zu den aus den 50er Jahren stammenden Bauteilen (dunkle Eichenholztüren und grüner Kunststeinboden), die sich dennoch harmonisch mit den modernen Elementen zu einem neuen Stil verbinden.

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